Außerorts 70 km/h zu schnell

Das Wichtigste im Überblick

Wenn Sie außerorts mit über 70 km/h zu schnell geblitzt werden, müssen Sie mit drastischen Konsequenzen rechnen. Der aktuelle Bußgeldkatalog 2025 sieht in diesem Fall ein Bußgeld von 700 Euro vor, das bei vorsätzlichem Handeln sogar auf 1.400 Euro verdoppelt werden kann. Zudem werden zwei Punkte in Flensburg eingetragen und ein dreimonatiges Fahrverbot verhängt. Diese harten Sanktionen spiegeln die besondere Gefährlichkeit solcher extremen Geschwindigkeitsüberschreitungen wider. Für Fahranfänger in der Probezeit sind die Folgen noch gravierender, da zusätzlich eine Probezeitverlängerung um zwei Jahre und die Teilnahme an einem kostenpflichtigen Aufbauseminar angeordnet werden.

Bei einem Bußgeldbescheid wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung von über 70 km/h außerorts sollten Sie einen Einspruch in Betracht ziehen. Prüfen Sie, ob Messfehler, falsche Beschilderung oder Verfahrensfehler vorliegen könnten. Bei der Geschwindigkeitsmessung wird ein Toleranzabzug berücksichtigt – bei hohen Geschwindigkeiten typischerweise 3% des gemessenen Wertes. Als Anwalt für Verkehrsrecht kann ich die Erfolgsaussichten eines Einspruchs realistisch einschätzen und Sie durch das Verfahren begleiten. Bei beruflicher Angewiesenheit auf den Führerschein besteht unter bestimmten Umständen auch die Möglichkeit, das Fahrverbot aufzuschieben oder in Ausnahmefällen sogar abzuwenden.

Außerorts 70 km/h zu schnell gefahren

Kennen Sie dieses Gefühl? Eine leere Landstraße, kaum Verkehr, und plötzlich blitzt es am Straßenrand. Ein Blick auf den Tacho zeigt, dass Sie deutlich schneller unterwegs waren als erlaubt. Bei extremen Geschwindigkeitsüberschreitungen – insbesondere wenn sie mehr als 70 km/h über dem Limit liegen – können die Konsequenzen drastisch sein und weitreichende Auswirkungen auf Ihren Alltag haben.

Geschwindigkeitsüberschreitungen gehören laut Kraftfahrt-Bundesamt zu den häufigsten Verkehrsdelikten in Deutschland. Während geringfügige Überschreitungen mit relativ milden Sanktionen belegt werden, ziehen massive Tempoverstöße über 70 km/h außerorts erhebliche rechtliche und finanzielle Folgen nach sich. Für viele Betroffene steht dabei mehr auf dem Spiel als nur eine Geldstrafe – oft geht es um den vorübergehenden Verlust der Mobilität und bei beruflich auf den Führerschein Angewiesenen sogar um die Existenzgrundlage.

Rechtliche Grundlagen

Der Bußgeldkatalog 2025 für außerörtliche Geschwindigkeitsüberschreitungen

Die rechtliche Basis für Sanktionen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen bildet die Straßenverkehrsordnung (StVO), insbesondere § 3 StVO, der die Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit regelt. Die konkreten Sanktionen sind im Bußgeldkatalog festgelegt.

Außerhalb geschlossener Ortschaften droht bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von über 70 km/h ein Bußgeld von 700 Euro sowie zwei Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot für ein Vierteljahr. Der aktuelle Bußgeldkatalog 2025 sieht damit deutlich härtere Strafen vor als frühere Versionen.

Die Rolle der Toleranzabzüge

Bei Messungen wird ein sogenannter Toleranzabzug berücksichtigt, um Messungenauigkeiten auszugleichen. Bei geringeren Geschwindigkeiten beträgt dieser grundsätzlich 3 km/h, während ab 100 km/h generell 3% der gemessenen Geschwindigkeit abgezogen werden.

Ersttäter vs. Wiederholungstäter

Ein wichtiger Aspekt, der oft übersehen wird: Wer innerhalb eines Jahres zweimal mit mehr als 25 km/h zu schnell erwischt wird, muss mit verschärften Strafen rechnen. So kann bereits bei einer zweiten Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 25 km/h außerorts innerhalb eines Jahres ein einmonatiges Fahrverbot verhängt werden.

Hauptaspekte und wichtige Teilbereiche des Themas

Finanzielle Konsequenzen

Die finanziellen Auswirkungen einer massiven Geschwindigkeitsüberschreitung beschränken sich nicht nur auf das Bußgeld selbst. Wurde der Verstoß vorsätzlich begangen, kann das Bußgeld verdoppelt werden – von 700 Euro auf bis zu 1.400 Euro. Vom Vorsatz wird nach der Rechtsprechung grundsätzlich ausgegangen, wenn die zugelassene Höchstgeschwindigkeit um mehr als 40% überschritten wurde. Zusätzlich fallen in der Regel Bearbeitungsgebühren und Auslagenkosten an, die den Gesamtbetrag weiter erhöhen.

Neben den unmittelbaren Kosten sollten Sie auch die mittelbaren finanziellen Folgen bedenken. Dazu zählen:

  1. Mögliche Kosten für einen Anwalt bei Einspruch
  2. Erhöhte Kfz-Versicherungsprämien durch Hochstufung
  3. Kosten für alternative Transportmittel während des Fahrverbots
  4. Bei beruflicher Notwendigkeit des Führerscheins: potenzielle Einkommensausfälle

Punkte in Flensburg und Fahrverbot

Bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 70 km/h außerorts werden zwei Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg eingetragen. Diese Punkte bleiben für 5 Jahre bestehen und können bei weiteren Verstößen zu einer kritischen Punkteanzahl führen. Ab acht Punkten droht der vollständige Entzug der Fahrerlaubnis.

Das dreimonatige Fahrverbot stellt für viele Betroffene die gravierendste Konsequenz dar. Im Gegensatz zum Fahrerlaubnisentzug handelt es sich hierbei um eine temporäre Maßnahme – nach Ablauf der Frist dürfen Sie ohne weitere Auflagen wieder fahren. Dennoch kann das Fahrverbot erhebliche Einschränkungen im Alltag und Berufsleben bedeuten.

Besondere Konsequenzen für Fahranfänger

Fahranfänger in der Probezeit, die außerorts mindestens 21 km/h zu schnell fahren, begehen einen A-Verstoß. Dies führt zu einer Probezeitverlängerung um zwei Jahre und der Pflicht zur Teilnahme an einem Aufbauseminar.Bei einer Überschreitung von 70 km/h oder mehr sind die Konsequenzen daher besonders schwerwiegend: Neben den regulären Sanktionen müssen Fahranfänger mit einer erheblichen Verlängerung ihrer Probezeit rechnen.

Praktische Tipps für Betroffene

Erste Schritte nach Erhalt eines Anhörungsbogens

Wenn Sie einen Anhörungsbogen erhalten haben, deutet dies darauf hin, dass Sie in einen Geschwindigkeitsverstoß verwickelt sind. Der Anhörungsbogen ist noch kein Bußgeldbescheid, sondern gibt Ihnen die Möglichkeit, zum Tatvorwurf Stellung zu nehmen. Folgende Schritte sollten Sie beachten:
  1. Fristen beachten: Reagieren Sie innerhalb der angegebenen Frist auf den Anhörungsbogen.
  2. Keine vorschnellen Geständnisse: Sie sind verpflichtet, Angaben zur Person zu machen, zum Tatvorwurf müssen Sie sich jedoch nicht äußern. 
  3. Dokumentation sammeln: Sichern Sie alle relevanten Informationen zum Vorfall (Ort, Uhrzeit, Beschilderung, Straßenverhältnisse).
  4. Rechtsberatung in Anspruch nehmen: Bei schwerwiegenden Vorwürfen wie einer Überschreitung von 70 km/h sollten Sie rechtlichen Rat einholen.

Umgang mit dem Bußgeldbescheid

Nach dem Anhörungsbogen folgt in der Regel der Bußgeldbescheid, sofern der Tatvorwurf aufrechterhalten wird. Hier ist Folgendes zu beachten:

  1. Einspruchsfrist: Gegen den Bußgeldbescheid können Sie innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen. Ansonsten wird er rechtskräftig und die Geldbuße fällig. 
  2. Begründung des Einspruchs:
    Ein Einspruch sollte nicht ohne fundierte Begründung erfolgen. Mögliche Einspruchsgründe können Messfehler, Verfahrensfehler oder besondere persönliche Umstände sein.
  3. Kosten-Nutzen-Abwägung: Wägen Sie ab, ob sich ein Einspruch lohnt. Die Anwaltskosten könnten höher sein als das Bußgeld, allerdings steht bei einer Überschreitung von 70 km/h auch ein dreimonatiges Fahrverbot im Raum. bei Bestehen einer Rechtsschutzversicherung lohnt sich der Einspruch hingegen fast immer.

Mögliche Einspruchsgründe und deren Erfolgsaussichten

  1. Messfehler oder ungeeignetes Messverfahren: Die Funktionsfähigkeit und korrekte Eichung des Messgeräts kann in Frage gestellt werden.
  2. Mängel bei der Dokumentation: Fehlende oder unvollständige Dokumentation der Messung.
  3. Falsche Zuordnung des Fahrzeugs: Besonders bei hohem Verkehrsaufkommen kann es zu Verwechslungen kommen.
  4. Formfehler im Bußgeldbescheid: Fehlerhafte Angaben oder Verstöße gegen Verfahrensvorschrifte
  5. Besondere Härtefälle: Bei beruflicher Angewiesenheit auf den Führerschein kann in manchen Fällen das Fahrverbot abgewendet oder aufgeschoben werden.

Checkliste oder Handlungsempfehlungen

Wenn Sie geblitzt wurden:

  • Notieren Sie unmittelbar Datum, Uhrzeit und genauen Ort
  • Dokumentieren Sie die Verkehrs- und Straßensituation (falls möglich)
  • Überprüfen Sie, ob die Beschilderung korrekt und gut sichtbar war
  • Notieren Sie besondere Umstände (Wetter, Sichtverhältnisse, etc.)

Bei Erhalt eines Anhörungsbogens:

  • Frist für die Stellungnahme notieren und einhalten
  • Keine vorschnellen Geständnisse ablegen
  • Bei schwerwiegenden Vorwürfen rechtlichen Rat einholen
  • Zur eigenen Person Stellung nehmen, zum Tatvorwurf nicht unbedingt äußern

Bei Erhalt eines Bußgeldbescheids:

  • Sofort den Einspruch prüfen (Frist: 2 Wochen!)
  • Die genauen Vorwürfe und angedrohten Sanktionen prüfen
  • Bei drohendem Fahrverbot: Anwalt konsultieren
  • Auf mögliche Mess- und Verfahrensfehler prüfen lassen
  • Bei beruflicher Notwendigkeit: Härtefallantrag in Betracht ziehen

Während des Fahrverbots:

  • Alternative Transportmöglichkeiten organisieren
  • Bei bestimmten Berufsgruppen: Möglichkeit eines Aufschubs prüfen
  • Keine Fahrten während des Fahrverbots riskieren (Führerscheinentzug und Strafverfahren droht!)
  • Nachweise über die Abgabe des Führerscheins aufbewahren

Handlungsempfehlung

Eine Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 70 km/h außerorts zieht erhebliche Konsequenzen nach sich – 700 Euro Bußgeld, 2 Punkte in Flensburg und ein dreimonatiges Fahrverbot. Die Folgen gehen jedoch über diese unmittelbaren Sanktionen hinaus und können im beruflichen und privaten Bereich weitreichende Auswirkungen haben.

Als Fachanwalt für Strafrecht mit Expertise im Verkehrsstrafrecht unterstütze ich Sie bei der Prüfung Ihres individuellen Falls. Von der Analyse des Anhörungsbogens über den Einspruch gegen den Bußgeldbescheid bis hin zur Vertretung vor Gericht – ich stehe Ihnen mit meiner Erfahrung zur Seite, um die bestmögliche Lösung für Ihre Situation zu finden.

Bedenken Sie: Auch bei schwerwiegenden Geschwindigkeitsverstößen gibt es rechtliche Handlungsmöglichkeiten. Die Überprüfung des Bußgeldbescheids ist der erste Schritt, um mögliche Fehler aufzudecken und die drohenden Sanktionen abzuwenden oder zu mildern.

Häufig gestellte Fragen

Bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von mehr als 70 km/h außerorts drohen 700 Euro Bußgeld, 2 Punkte in Flensburg und ein dreimonatiges Fahrverbot. Bei vorsätzlichem Handeln kann das Bußgeld sogar auf 1.400 Euro ansteigen.

Bei Geschwindigkeitsmessungen wird ein Toleranzabzug vorgenommen, um Messungenauigkeiten auszugleichen. Bei niedrigen Geschwindigkeiten sind dies 3 km/h, bei Geschwindigkeiten ab 100 km/h werden 3% der gemessenen Geschwindigkeit abgezogen.

Ein Fahrverbot kann in Härtefällen aufgeschoben, aber nur selten ganz vermieden werden. Bei beruflicher Notwendigkeit kann unter Umständen ein Aufschub oder die Aufteilung in mehrere Zeiträume beantragt werden.

Da viele Bußgeldbescheide Fehler enthalten, kann sich ein Einspruch durchaus lohnen – insbesondere bei hohen Bußgeldern und drohendem Fahrverbot. Eine anwaltliche Prüfung ist empfehlenswert.

Das Fahren trotz Fahrverbots ist eine Straftat gemäß § 21 StVG und kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet werden. Zudem droht ein längerfristiger Führerscheinentzug.

Ja, nach Ablauf des Fahrverbots dürfen Sie automatisch wieder fahren, sofern keine weiteren Maßnahmen wie ein Fahrerlaubnisentzug angeordnet wurden. Sie sollten jedoch den Nachweis über die Abgabe und den Ablauf des Fahrverbots aufbewahren.

Die Versicherungsprämie kann durch Punkte in Flensburg steigen, das Fahrverbot selbst hat jedoch keinen direkten Einfluss auf die Einstufung. Allerdings kann die zugrunde liegende Ordnungswidrigkeit zu einer Hochstufung führen.

Für Fahranfänger in der Probezeit gilt eine Überschreitung von mehr als 20 km/h als A-Verstoß, was zu einer Verlängerung der Probezeit um zwei Jahre und zur Teilnahme an einem Aufbauseminar führt.

Ja, Messgeräte können Fehler aufweisen, insbesondere wenn sie nicht korrekt geeicht oder falsch positioniert sind. Auch äußere Einflüsse wie Witterungsbedingungen können die Messergebnisse verfälschen.

Bei einer Ordnungswidrigkeit wie einer Geschwindigkeitsüberschreitung beträgt die Verjährungsfrist in der Regel drei Monate. Die Verjährung wird jedoch durch bestimmte Maßnahmen der Behörden, wie die Zustellung eines Anhörungsbogens, unterbrochen.

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Adrian Schmid

Rechtsanwalt Fachanwalt für Strafrecht

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